In September und Oktober spriessen sie wieder, die Pilze, und damit ein beliebtes Sujet in der Fotografie. Hier schildere ich meine ersten Erfahrungen auf der Jagd im Wald.
Auf die Pilzfotografie bin ich durch einen Youtube-Kanal gestossen: https://www.youtube.com/@CourtneyVictoria
Eine Engländerin, die vorzugsweise im Wald fotografiert und sich und die Fotografie nicht allzu wichtig nimmt, ein wirklich erfrischender Kanal neben all diesen Gear-Heads!
Das Equipment
Welche Ausrüstung benötigt man dafür? Eigentlich nicht viel. Ich würde sagen, dass eine Kamera, ein geeignetes Objektiv und ein Stativ als Erstes ausreichen. Bei der Auswahl des Objektivs geht die Qual der Wahl aber schon los. Als erstes kommen mir Makroobjektive in den Sinn, die speziell dafür geeignet sind, Nahaufnahmen zu machen.
Bei einem statischen Objekt wie Pilzen sind verschiedene Brennweiten möglich. Bei Objekten, die vor einem Objektiv fliehen, ist das etwas anders. Da sind längere Brennweiten (zum Beispiel ein 90 mm) besser, weil man damit mehr Distanz zwischen sich und dem Sujet haben kann.
Es gibt aber auch die Möglichkeit, normale Objektive mittels eines Distanzringes in «Quasi-Makroobjektive» zu verwandeln. Allerdings sind damit nicht die gleichen Abbildungsmassstäbe möglich wie mit echten Makroobjektiven. Ausserdem sind nicht alle Objektive kompatibel mit solchen Distanzringen. Am besten erkundigt man sich vor einem Kauf auf der Seite des Herstellers.
Ein Stativ ist aus mehreren Gründen ein Muss. Bei der Bildgestaltung mit kleinen Objekten wie Pilzen lohnt es sich, genau zu arbeiten, weshalb man eine stabile Basis für die Kamera braucht. Ausserdem arbeitet man oft mit langen Verschlusszeiten.
Die Sache mit der Schärfentiefe
Wikipedia definiert den Begriff Schärfentiefe als «die Grösse des Entfernungsbereichs, innerhalb dessen ein Objekt hinlänglich scharf abgebildet wird». Wie tief die Schärfe nun in einer Aufnahme ist, das ist abhängig von den Faktoren Blende, Entfernung zum Objekt und Brennweite des Objektivs. Je kleiner die Brennweite, je kleiner die Blende und je grösser der Abstand zum Objekt, umso grösser ist der scharfe Abbildungsbereich. Da man mit Makroobjektiven sehr nah an diese kleinen Objekte kann, ist der Abstand entsprechend gering und deshalb ist dann auch die Schärfentiefe klein. Was kann man da machen? Nun, eine Möglichkeit besteht darin, dass man in der nachträglichen Bildbearbeitung mehrere Bilder zusammenfügt, wobei jedes auf eine andere Distanz scharfgestellt wurde. Das nennt man dann «Fokus Stacking».
Die andere, allerdings recht beschränkte Möglichkeit, ist, mit Blitz zu arbeiten und eine kleine Blende zu wählen, zum Beispiel f/16. So habe ich es gemacht.
Sanftes Licht hilft
Das Blitzlicht habe ich mittels eines Diffusors in eine möglichst grosse Lichtquelle (im Vergleich zu den Pilzen) verwandelt. Blitzlicht und natürliches Licht können eine sehr unterschiedliche Wirkung entfalten, wie die beiden folgenden Fotos zeigen. Beim rechten Foto habe ich mit Blitz gearbeitet.


Es lohnt sich, verschiedene Belichtungseinstellungen auszuprobieren, und manchmal wirkt Unterbelichtung richtig mystisch:



Die Extras: Wasser aus der Sprühflasche und Farblicht
Zusätzlich aufpeppen kann man die Bilder, indem man die Pilze ein wenig mit Wasser besprüht (rechtes Bild).


.. oder sie mit einem farbigen Licht anstrahlt. Dies ist der Fall beim mittleren und rechten Bild. Man beachte die Veränderung in den Stilen der Pilze.



Mein Fazit
Diese Art der Fotografie ist nichts für Hektiker. Es hilft schon sehr, wenn man sich Zeit nimmt, bei der Suche nach den Pilzen, der Komposition und dem eigentlichen Fotografieren. Während man zunächst keinen Blick für Pilze hat, findet man schon nach kurzer Zeit überall von diesen filigranen Objekten. Der Blick zum Boden und insbesondere zu Baumstümpfen lässt eine andere Welt erscheinen. Und hinter jedem Fliegenpilz erwartet man Papa Schlumpf…