Hat man einmal angefangen, Fotoapparate zu sammeln und zu benutzen, wird man unweigerlich für gewisse Hersteller eine Vorliebe entwickeln. So geschehen bei mir und der Firma Rollei.
Rolleiflex und Rollei 35
Der Traditionshersteller hat sich auf die Produktion von Fotozubehör verlagert. Berühmt wurde er aber durch die zweiäugigen Spiegelreflexkameras für Negative im Format 6×6 cm (Mittelformat), im englischen Sprachraum werden sie mit TLR (Twinlensreflex) abgekürzt. Später kam dann für Kleinbildfilm die Rollei 35 dazu, die lange Zeit kleinste Kamera der Welt für dieses Filmformat.
Ich persönlich finde TLR’s tolle Kameras, da sie relativ kompakt sind, ausserdem diskret und sehr leise. Durch die Verwendung eines Lichtschachtsucher hat man kein Gerät zwischen sich und seinem Sujet. Schaut man kurz hoch, so hat man direkten Augenkontakt und kann die Szenerie leicht erfassen. Vivian Maier beispielsweise hat gezeigt, dass diese Kameras gut geeignet sind für Street Photography.
Die 6002 und eine ihrer Vorfahren
Das Modell 6002 wurde von 1986 bis 1990 produziert, also relativ kurz. Hier sehen wir die Kamera im Vergleich zu einer Rolleiflex mit Jahrgang 1970:


Es fällt auf, dass sich die Konstrukteure an den Formfaktor der Vorgängerin gehalten haben. Rein optisch wirkt die 6002 aber deutlich weniger elegant. Es ist etwas so, als stünde ein Lancia Fulvia neben einem dieser heutigen SUV’s, die sicher praktisch sind, aber eben auch klobiger daherkommen.
Aber so einfach ist der Vergleich nicht, denn die 6002 ist keine zwei-, sondern eine einäugige Spiegelreflexkamera, wie man deutlich sieht. Dadurch schaut man direkt durch das Objektiv, hat also immer genau die Sicht der Filmebene, was klar ein Vorteil ist. Die Diskretion ist allerdings hinüber gegenüber dem älteren Modell. Die hat natürlich keinen Spiegel, der bewegt werden muss und dabei Geräusche macht.
Was das Gewicht betrifft, so ist die 6002 gegenüber der Rolleiflex ein echter Brummer: schon ohne Objektiv ist sie 300 Gramm schwerer, mit dem Standardobjektiv 80mm f2.8 Rolleigon HFT kommen nochmals 590 Gramm dazu.
Die Sache mit dem Objektivwechsel
Ich habe es gerade erwähnt: im Gegensatz zum älteren Modell kann man bei der 6002 das Objektiv wechseln, was bedeutet, dass man sie mit einem Modell aus einer anderen Kameraschmiede vergleichen muss, zum Beispiel mit der Mamiya C330:


Die Kameras von Mamiya aus dieser Serie bieten die Möglichkeit, beide Objektive gleichzeitig zu wechseln. Im Grössenvergleich sieht man sehr schön, dass die 6002 zierlicher daherkommt. Die C330 werde ich in einem anderen Blogbeitrag vorstellen.
Akku-Power und ein Cliffhanger zum Schluss
Um mit der 6002 fotografieren zu können, braucht es einen aufgeladenen Akku. Bei meiner war ein neuer Akku dabei, organisiert vom Verkäufer (Fotohaus in Basel). Man sollte beim Kauf unbedingt darauf achten, als auch auf das proprietäre unhandliche Ladegerät von Rollei, sonst läuft gar nix. Die Kamera hat nämlich erstens eine eingebaute Belichtungsmessung mit Springblende und zweitens einen Filmmotor, was bedeutet, dass der Film nach jedem Bild automatisch transportiert wird. Das Leben als Fotograf kann so einfach sein…
Meine Erfahrungen und die ersten mit der Kamera gemachten Bilder stelle ich im nächsten Beitrag vor. Also, stay tuned!