Buchbesprechung: «Fotografie als Meditation» von Torsten Andreas Hoffmann, erschienen im dpunkt.verlag

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Der Autor bringt den Inhalt dieses Buches wie folgt auf den Punkt: 

«Kern dieses Buchs ist es, die intuitive, meditative Seite des Fotografierens mithilfe der Ideen der japanischen Zen-Philosophie zu betrachten und mit dieser intuitiven Seite den Versuch zu unternehmen, die eigene Kreativität zu steigern und sich über das bewusst zu werden, was man wirklich ausdrücken möchte.»

Hält der Inhalt, was hier versprochen wird?

Zu Anfang ist da eine gehörige Portion Skepsis

Es gibt sie ja mittlerweile wie Sand am Meer; die Bücher, die Zen mit einer Praxis, Kunstform oder einer Körperübung in Verbindung bringen. Zen – eine Richtung im Buddhismus, die in Japan heimisch ist und die Meditationspraxis nicht nur auf dem Kissen, sondern auch bei alltäglichen Verrichtungen anwendet – boomt. Angefangen hat es wohl mit dem Buch „Zen in der Kunst, ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig aus dem Jahre 1974. Ich habe in meiner Jugend das Buch gelesen, es war damals eine Qual und hatte nur am äussersten Rand mit Zen zu tun. „Zen in der Kunst des Bogenschiessens“, „Zen in der Kunst des kampflosen Kampfes“ sind weitere Klassiker in dieser Reihe. Ich warte noch auf das Buch mit dem Titel „Zen in der Kunst des Zen-Bücherschreibens“, damit der Kreis endlich geschlossen wird.

Vor dem hier besprochenen Buch habe ich „Zen – der Weg des Fotografen“ von David Ulrich gelesen. Der amerikanische Fotograf hat selbst keine Meditationserfahrung und stützt sich deshalb auf vieles, was er von seinem Lehrer Minor White gelernt hat. Nun, ich habe schon viele Rugby-Spiele gesehen, weiss deshalb aber noch lange nicht, wie es sich auf einem Spielfeld anfühlt. Trotzdem würde ich sagen, dass sein Weg zu mehr Kreativität Hand und Fuss hat, aber mit Zen hat es nicht wirklich viel zu tun, den Titel finde ich deshalb falsch gewählt.

Die Zielgruppe

„Fotografie als Meditation“ richtet sich an eine kleine Gruppe innerhalb der Fotocommunity. Zunächst mal sollte man an philosophischen Fragen Freude haben. Dann sind es Menschen wie ich, die im Fotografieren sowohl einen kreativen Prozess sehen als auch den Versuch, den Moment so einzufangen, dass die Trennung zwischen Subjekt (= Fotograf) und Objekt (= Motiv) für einen Moment aufgehoben wird. Für wen das zu esoterisch klingt; nein, es geht nicht um „Verschmelzung“ oder Selbstvergessenheit.

Worum geht es also?

In meinen Worten: es geht um eine komplette Art der Präsenz, die nicht nur die äussere Wahrnehmung enthält, sondern es uns auch ermöglicht, zur Gänze bei uns zu sein. Das innere Erleben wird bei dieser Art der Fotografie als genau so wichtig beurteilt wie die Wahrnehmung von Licht und Schatten, Formen und Farben.

Torsten Andreas Hoffmann hat langjährige Erfahrung in der Meditation, und das merkt man dem Buch von Beginn weg an. So leitet er gut in die Thematik ein und liefert anschauliche Beispiele für die Gemeinsamkeiten von Fotografie und Meditation. 

Es geht weiter mit Erörterungen zu so interessanten Fragen wie „Was ist ein meditatives Foto?“ oder „Ist Fotografie ein Leben aus zweiter Hand?“ 

Viel Philosophie und sonst nichts?

Hoffmann bleibt nicht bei so schönen – und wahren – Sätzen stehen wie „Ein Mensch, der Tiefe hat, ist schon einmal durch die Dunkelheit gegangen“. Es gelingt ihm auf anschauliche und praktische Weise, die Leserschaft an der Hand zu nehmen und die konkrete Umsetzung im Rahmen der Fotografie aufzuzeigen. Ergänzt wird dies durch gelungene eigene Bilder, die als Inspirationsquelle dienen.

Landschaftsbilder und Street Photography

Viel Raum erhalten diese beiden „Disziplinen“. Besonders für die Street Photography enthält der Text viele Anregungen. Seit Henry Cartier Bresson und seinem „entscheidenden Augenblick“ ist klar, dass es dabei weniger um analytische Schärfe und eine waagrechte Horizontlinie unter Berücksichtigung der Drittelsregel gehen kann, als um Intuition und die Einheit von Auge, Hand und Herz.

FAZIT

Mir hat das Buch einige eigene Überlegungen bestätigt, was natürlich dem Ego schmeichelt… Das Buch hält, was der Titel und das obige Zitat versprechen. Kameratechnik und Gestaltungsregeln sucht man darin vergebens, was richtig ist. Dafür wird man anschaulich in eine für viele Leser wohl neue Herangehensweise in der Fotografie eingeführt. Das grosse Plus des Buchs ist, wie bereits geschrieben, dass es den konkreten Prozess beschreibt und so direkt zum Fotografieren anregt.