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*Rolin’, rollin’, rollin’ mit der Rollei 35 (analog)

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* Text aus dem Song „Theme from rawhide“ aus dem Film „Blues Brothers.“

Klein, kleiner, am kleinsten…

… so wollten früher die Ingenieure ihre Produkte auf den Markt bringen. Die Fülle an Funktionalitäten, die heute in einem Smartphone verbaut sind, war damals undenkbar, denn vieles war mechanisch und benötigte Kleinteile. Eine kleine Kamera, so waren wohl auch die Überlegungen der Marketingabteilung, würde einen höheren Nutzwert haben und sich entsprechend besser verkaufen.

Bei der Entwicklung der Rollei 35 war alles auf Miniaturisierung ausgerichtet. Entsprechend war sie bei Aufnahme der Produktion im Jahr 1967 die kleinste vollmechanische Kleinbildkamera der Welt für 35mm-Film im Format 24 x 36 mm. Die später erschienene Minox 35 ist etwa gleich gross, aber wesentlich leichter.

Ein Stück Seife?

Als ich die Rollei 35 das erste Mal in den Händen hatte, dachte ich unweigerlich an ein Stück Seife. Die Grösse und die abgerundeten Ecken lassen diesen Eindruck entstehen. Tatsächlich haben viele Exemplare Dellen am Gehäuse. Wie mir der Fachmann für analoge Kameras, Claudio Fabio (www.camera-service.ch) sagte, liegt das daran, dass nur eine Befestigung für Kameragurte am Gehäuse vorhanden ist. Man kann somit keinen Nackengurt befestigen.

Es geht auch anders als Mainstream

Welches sind nun die Eigenheiten dieser Kamera?

Zunächst muss der Objektivtubus vor dem Fotografieren herausgezogen und nach rechts gedreht werden, so dass ein leises Klicken hörbar ist. 

Um das Objektiv wieder einzufahren, muss der Verschluss gespannt sein. Durch Druck auf den Knopf neben dem Auslöser kann man dann das Objektiv nach links drehen und zurückschieben.

Das ausgefahrene Objektiv, bereit zum Einsatz! Links vom Schriftzug ist die Öffnung des Belichtungsmessers, rechts der sehr klare Sucher.

Rechts vom Objektiv stellt man die Filmempfindlichkeit ein, links findet man die Verschlusszeit. Auf dem Objektiv wird wie üblich die Blende gewählt.

Eine weitere Besonderheit ist der Filmtransport, der auf der linken Seite am Gehäuseoberteil ist. Daneben findet man die Anzeige des Selen-Belichtungsmessers (siehe folgendes Bild).

Gemäss Seriennummer wurde meine Kamera 1974 produziert, übrigens nicht in Deutschland, sondern in Singapur.

Interessante Unterseite

Weil nicht alle Funktionen auf der Oberseite Platz haben, ist einiges an der Unterseite zu finden (von links nach rechts):

  • Filmrückspulhebel
  • Filmzähler in Kombination mit der Stativaufnahme
  • Hebel um das Gehäuse zu öffnen (hier geöffnet)
  • Blitzschuh

Öffnet man das Gehäuse, so entfernt man die ganze Rück- und Unterseite:

Die versteckte Batterie

Die Kamera ist bis auf den Belichtungsmesser komplett mechanisch. Obwohl gross beschriftet, glaubt man zunächst nicht, dass die Batterie unter der runden Abdeckung Platz hat!

Mit einer Münze kann man die Abdeckung, die gleichzeitig auch die obere Aufnahme der Filmpatrone ist, öffnen und die Batterie einsetzen. Die Frage ist nur, welches Modell, denn die originalen Quecksilberbatterien mit 1.35 Volt sind seit einiger Zeit verboten und werden nicht mehr hergestellt.

Im Internet findet man mehrere Alternativen. Ich habe mit einer Hörgerätebatterie (Zink-Luft ZA 675 mit 1.4 V) gute Erfahrungen gemacht, die ich mit einem kleinen Gummiring ummantelt habe. Die Belichtung ist so akkurat. Solche Batterien sind sehr günstig, halten aber, wenn man die Folie entfernt und Luft die Batterien aktiviert, nicht lange durch. Die Lösung ist einfach; die Batterien bei Nichtgebrauch entfernen und die Folie wieder anbringen.

Die Bedienung

Hat man sich mal eingelesen (getreu dem wichtigsten Leitspruch für Anwender:innen bei solchen Geräten: „read the fu..ing manual!“) fällt die Bedienung nicht schwer. Die Rollei hat keinen Messsucher, man muss deshalb die Entfernung zum Sujet schätzen und auf dem Objektiv einstellen. Das hier verbaute 40mm f3.5 Objektiv (Tessar) ist nicht allzu lichtstark, wodurch die Schärfentiefe auch nicht zu schmal ausfallen kann.

Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob der Belichtungsmesser (kurz: Beli) wirklich funktioniert, denn die Nadel schlug gar erratisch aus. Es handelte sich aber lediglich um einen Bedienfehler. Natürlich darf man die Öffnung des Beli nicht mit der Hand verdecken! Hier zeigt sich, dass eine kleine Kamera eben auch Nachteile hat.

Der Auslöser ist sehr leise, die Kamera kann somit gut im „Stealth-Modus“ eingesetzt werden.

Die Bilder

Verwendeter Film: Kentmere Pan 400

Lokalitäten: Nr. 1 Bern, Nr. 2 Solothurn, restliche Bilder: Konstanz