Mamiya RB67 Professional: die Grobe fürs Feine (analog)

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Heute geht es um eine Kamera, die das Gegenteil von unauffällig ist; die RB67 von Mamiya.



Zur Geschichte

Die Firma Mamiya wurde 1940 von den beiden Japanern Mamiya Seiichi und Sugaware Tsunejiro in Tokio gegründet. Die erste und für acht Jahre einzige Kamera war die Mamiya Six, eine Messucherkamera für Mittelformat 6 x 6 cm. Während des II. Weltkriegs wuchs die Firma trotzdem stark und hatte zu Beginn des Jahres 1944 bereits 150 Mitarbeiter. 

Ab 1948 wurde die Produktpalette erweitert mit Kameras im Stil der Rolleiflex sowie Kleinbildkameras. 

Markteinführung der ersten Version der RB67 Professional war 1970. Im Jahr 1974 erschien die RB67 Pro-S, das Massenmodell, welches über 15 Jahre verkauft wurde. Die modernste Version war dann die RB67 Pro-SD und erschien 1990. Sie erlaubte die Verwendung einer grösseren Auswahl an Objektiven (L-Serie) sowie Filmmagazine im Format 6 x 8 cm

Die Masse

Reden wir über das Gewicht, denn das ist das Erste, was beim in die Hand nehmen auffällt. Zusammen mit dem 127mm-Objektiv bleibt die Digitalanzeige der Küchenwaage bei exakt 2’495 Gramm stehen! Nun muss man wissen, dass es noch schwerere Objektive und vor allem Sucheraufsätze gibt. Die 2,5 kg sind als untere Grenze zu verstehen. Was haben sich die japanischen Ingenieure bloss dabei gedacht?

Das natürliche Habitat

Nun, es sollte wohl keine Reisekamera werden, soviel ist klar. Vielmehr handelt es sich um eine Kamera, die für den Einsatz im Fotostudio gedacht ist (der Zusatz «Professional» weist in diese Richtung).

Der eigentliche Clou der Kamera verbirgt sich in der Abkürzung «RB». Diese steht für «Rotating Back», will heissen, man kann, ohne die Kamera vom Stativ zu nehmen oder hochkant zu stellen, von Quer- in Hochformat wechseln. Dazu dreht man einfach das Filmmagazin um 90 Grad. Eine tolle Sache!

Ein weiteres Feature für Studioeinsatz ist die Scharfstellung über die Faltbalgen. Dies erlaubt, ohne Distanzringe näher an das Sujet zu gehen und der Makrofotografie (bis zu einem gewissen Grad) zu frönen.

Die Bedienung

Bei dieser Kamera muss man sich in die Bedienung einarbeiten. Es hilft zwar, wenn man schon andere modulare Kamerasysteme kennt, trotzdem hat jeder Hersteller seine Eigenheiten. Die RB67 fällt auf, da es einige Sicherungen gibt, die Fehlmanipulationen verhindern sollen. So muss man, um das Filmmagazin zu entfernen, jeweils oben und unten zwei Tasten betätigen.

Ich habe die Kamera für Landschaftsfotografie verwendet, also ausserhalb ihrer Komfortzone. Ja, das Gewicht muss man tragen wollen und eigentlich hätte ich erwartet, dass ich mit Stativ arbeiten würde. In Tat und Wahrheit hatte ich meistens keine Lust, noch das Stativ aufzubauen. Die Fotos des nächsten Blogs sind zu 90 Prozent «aus der Hand geschossen». Bei genügend Licht stellt das kein Problem dar.

Was begeistert mich?

In Zeiten der Smartphone-Fotografie ist es wohl schwierig zu vermitteln, weshalb man einen solchen Aufwand betreiben soll. Die Kamera ist schwer, aber dadurch liegt sie auch ungeheuer stabil in den Händen. Der Sucher ist nicht der hellste, den ich kenne, aber man kann trotzdem genau arbeiten. Die Möglichkeit, einfach die Ausrichtung des Bildes zu wechseln, ist erste Sahne. Und was mir am meisten gefiel, war das Auslösegeräusch. Ein sattes «Klack» entschädigte für die vielen Schweisstropfen. By the way, nach einem Tag Fotografieren spart man sich den Gang in die Muckibude.