Zenza Bronica: die japanischen Hasselblads (analog)

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Es ist schon eine Weile her, dass ich eine Mittelformatkamera vorgestellt habe. Mit der Zenza Bronica ETRS geht es nun um eine modulare Kamera, hergestellt zu Beginn der 80er-Jahre.

Die Firma

Zenza Bronica ist heute kein geläufiger Markenname mehr. Er setzt sich zusammen aus dem verkürzten Vornamen des Gründers («Zenza), abgeleitet von Zenzaburo Yoshino, und der Abkürzung für «Brownie Camera», was im Japanischen «BroniCa» ergab. Yoshino (geb. 1911) stammte aus einer wohlhabenden Familie und führte zunächst das Familiengeschäft, den Handel mit Reis, weiter. Als nach dem 2. Weltkrieg die Amerikaner den Reishandel kontingentierten, suchte sich Zenzaburo ein neues Wirkungsfeld. 

So eröffnete er 1946 in Tokio einen Laden für den An- und Verkauf von gebrauchten Kameras. Wieso er sich Fotoapparaten zuwandte ist nicht ganz geklärt. Er war ein Bewunderer von Victor Hasselblad und konnte sich, weil er das Geld dazu hatte, dieses teure Hobby leisten. Das Geschäft mit den Kameras lief gut, trotzdem war irgendwann die Idee geboren, eigene Kameras zu fabrizieren.

Deshalb eröffnete er 1947 eine Werkstatt. Die ersten Versuche, eine Kamera herzustellen, scheiterten aber. So verlegte man sich auf die Herstellung von Accessoires aus Metall wie Feuerzeuge, Broschen, Zigarettenetuis oder Puderdosen, womit man sich Fähigkeiten in der Metallverarbeitung aneignete.

Das Geschäft lief recht gut, ein Teil der Einkünfte wurde in die Entwicklung einer Kamera gesteckt, denn Zenza hatte seinen Traum noch nicht aufgegeben. So war es dann 1959, nach achtjähriger Entwicklungsphase, endlich soweit; die erste Zenza Bronica wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Der modulare Aufbau entsprach dem der Hasselblad, und es wurde auch auch das gleiche Filmformat (120er Film im Format 6 x 6 cm) verwendet.

Die ETRS

Bei der ETRS handelt es sich ebenfalls um eine Kamera für den Mittelformatfilm, aber im kleineren Format 6 x 4,5 cm, es passen also 16 Bilder auf eine Rolle. Die Kamera wurde zwischen 1978 und 1982 produziert und gehört zur ETR-Baureihe. Diese Baureihe kam 1976 auf den Markt und unterschied sich von den vorherigen Modellen dadurch, dass ein Zentralverschluss und kein Schlitzverschluss verwendet wurde. Dies bedingte andere Objektive. Da die Zusammenarbeit mit Nikon nicht weitergeführt wurde, entschied man sich, eigene Linsen herzustellen.

Die ETRS verfügt über einen elektronisch gesteuerten Verschluss von Seiko, der Zeiten zwischen 8 Sekunden und 1/500 Sekunden ermöglicht. Deshalb benötigt die Kamera auch eine Batterie. Glücklicherweise ist diese nach wie vor erhältlich.

Bei meinem Exemplar handelt es sich um eine Ausführung in Chrom, die bis 1981 hergestellt wurde und etwas seltener ist.

Die Modularität

Der modulare Aufbau ermöglicht den Einsatz verschiedener Sucher, Filmbacks, Mattscheiben, Griffe und natürlich Distanzringe und Objektive. Hier einige Bilder, die das verdeutlichen sollen:



Mit dem Standardobjektiv (75 mm f2.8) und dem Sucher mit Belichtungsmessung wiegt die Kamera stolze 1,6 Kilo, ist also kein Leichtgewicht. Der «Würfel» liegt trotzdem gut in der Hand und fühlt sich sehr solid an; nichts rappelt, nichts wackelt.

​Wie es ist, mit der Kamera auf Lichtjagd zu gehen, das folgt in einem nächsten Blogbeitrag.