Die farblosen Leica (digital)

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Leica ist der einzige Kamerahersteller, der regelmässig Kameras auf den Markt bringt, deren Sensoren keine Farben verarbeiten können und somit nur Bilder in Schwarzweiss entstehen lassen. Ein spleeniger Anachronismus, der keinen Sinn macht? Für mich steckt da mehr dahinter.

M9 Monochrom

Die erste solche Kamera war die M9 Monochrom, die von 2012 bis 2015 produziert wurde. Die normale M9 kam 2009 auf den Markt, also einiges früher. Was die Stückzahlen betrifft, konnte sich der Anteil der Monochrom sehen lassen; rund 10’000 Stück wurden produziert, die farbige Variante kam auf das 5-Fache. Man war vom Erfolg der Monochrom ziemlich verblüfft bei Leica!

Der technische Unterschied ist einfach erklärt: Monochrome Sensoren haben keine Farbfilter vorne dran, was in bessere Schärfeleistung und weniger Rauschen bei hohen ISO-Werten mündet. Der Sensor bei der M9 war ein CCD-Sensor mit 18 Megapixel. Um diese CCD-Sensoren ranken sich allerlei Mythen. Viele sind der Meinung, dass diese digitalen Fotos eine filmähnliche Anmutung haben.

M Monochrom (246)

Die nächste «farblose» Kamera war die M Monochrom mit dem Zusatz «246». Leica wollte, wie andere Hersteller, ihre Modelle mit dreistelligen Zahlen benennen, was aber nur ein kurzes Intermezzo war. Die 246 wurde von 2015 bis 2200 hergestellt, der Absatz konnte nicht mit demjenigen der M9 mithalten. Nun war der Sensor von der Bauart CMOS mit 24 Megapixel. CMOS ist der heutige Industriestandard. Was die Unterschiede zu CCD betrifft, so verweise ich lieber auf das Internet, als dass ich mich hier in technischen Erörterungen verzettle.

M10 und M11 Monochrom

Abgelöst wurde die 246 im Jahr 2020 durch die M10, die nun eine Auflösung von 41 Megapixel aufwies. Und bereits 2023 folgte das aktuelle Modell, die M11, mit nun 60 Megapixeln. Auch Leica verkürzt die Produktlebenszyklen, um die Käufer bei Laune und bei Spendierfreude zu halten. 

Als man sich noch entscheiden musste

In den analogen Zeiten musste man sich entscheiden; lege ich einen Farb- oder einen Schwarzweissfilm ein? In der digitalen Welt hat sich diese Frage eigentlich erübrigt, denn es ist ein leichtes, in der Nachbearbeitung aus einem farbigen Foto ein schwarzweisses zu machen. Da man die Farbinformationen hat, kann man sogar die verschiedenen Farbkanäle bearbeiten, was dem Einsatz von Farbfiltern bei Schwarzweissfilm entspricht.

Der Reiz liegt in der Reduktion der Möglichkeiten

Diese Möglichkeiten habe ich mit meiner M10 Monochrom nicht. Wenn ich sie mitnehme, dann ist der farbige Zug abgefahren. Ich habe mich somit für den Schwarzweissfilm entschieden. Und genau dieser Umstand führt für mich zu einem anderen Sehen. Ich versuche mich bewusster auf Licht und Schatten zu konzentrieren. Da Farben keine Rolle spielen, entfällt ein Element, das die Bildaussage mitbestimmt. Es geht dafür mehr um Strukturen, um Geometrie und Vektoren. Durch das manuelle Fokussieren mit dem Messucher bin ich gezwungen, mich intensiver mit der Komposition zu beschäftigen, ein Vorgang, der mir immer wieder Freude bereitet. Leica hat es verstanden, ihre Historie in die heutigen digitalen M-Kameras zu verpacken. Für Nostalgiker wie mich ein Umstand, immer wieder mit einer Leica zu fotografieren.

Die Bilder

Ein toller Ort für solche Fotos ist das Gelände der ehemaligen Cellulosefabrik Attisholz, wo die folgenden Bilder entstanden sind.