Am letzten Tag des Jahres 2024 war ich in Urnäsch. Schon lange hat mich die Tradition des Silvesterchlausens fasziniert. Dabei ziehen Gruppen von maskierten und kostümierten Männern (Frauen sind die Ausnahme) von Haus zu Hof, wo sie «zäuern» und ihre Schellen und Glocken erklingen lassen. Natürlich gibt es jeweils auch ein stärkendes Getränk, wahrscheinlich mit alkoholischem Inhalt.
Wer über die Tradition mehr wissen will, findet im Internet einiges.
Die Vorbereitung
Hier möchte ich mich auf die Frage konzentrieren, wie man so etwas fotografisch einfangen kann, im Sinne von (einfacher) Reportagefotografie.
Natürlich stellt sich als erstes die Frage, wo und zu welcher Zeit man die Silvesterchläuse antrifft. Dazu fand ich ein Infoblatt auf der Tourismus-Webseite. Nun ist es so, dass die Route der Chläuse nicht angegeben wird. Man weiss ungefähr, wann sie im Dorf sind und wann sie in der näheren Umgebung unterwegs sind. Deshalb habe ich mir gesagt, dass ich schon zufrieden bin, wenn ich die Darbietungen einigermassen vor die Kamera kriege. Weitere Überlegungen, was ich genau ablichten möchte, habe ich mir nicht gemacht.
Das Equipment
Immer die gleiche Falle, in die ich tappe: die Frage, welche Kombination von Kamera und Objektiv geeignet ist, steht im Vordergrund.
Ich habe mich für einen «hybriden» Ansatz entschieden:
- Digital: Sony Alpha 7R Mark IV mit dem Tamron 35-150mm f/2.0-2.8
- Analog: Nikon F5 mit dem Nikkor 85mm f/1.8, Farbfilm Kodak Gold 200
Diese Auswahl hat sich bewährt. Mit dem Tamron-Zoom stand mir ein grosser Brennweitenbereich zur Verfügung. Meine Idee war es, die Masken als Portraits vom Hintergrund freistellen zu können. Dazu war einerseits eine grosse Anfangsblende als auch ein Objektiv im leichten Telebereich ideal. Ausserdem wusste ich nicht, wie nahe man an die Silvesterchläuse rankommt. Ich wollte mich nicht in der Art eines Paparazzos in den Vordergrund drängen und anderen Zuschauern die Sicht versperren. Das überliess ich gerne den Smartphones…
Ebenfalls bewährt hat sich die Nikon mit dem 85mm. Ich wollte eine Kamera mit Autofokus dabeihaben, und die Nikon ist einfach fantastisch, was das betrifft. Sie hat fünf Autofokuspunkte, die man ansteuern kann.
Meine Erfahrungen
Bereits kurz nach dem Aussteigen in Urnäsch trafen wir auf die erste Gruppe. Das Ablichten der Köpfe und des Kopfschmuckes war gar nicht so einfach, denn die Chläuse stehen oft im Kreis und sind von den Zuschauern abgewandt. Wenn sie dann ihren Naturjodel beendet haben, drehen sie sich hin und her oder hüpfen herum. Insgesamt hilft da ein guter Autofokus.
Da noch ziemlich Schnee lag, ergab sich eine schöne Stimmung. Natürlich wäre am Morgenfrüh oder gegen Abend das Licht besser gewesen.
Die Stimmung insgesamt war überhaupt nicht überdreht, wie es der Solothurner von der hiesigen Fasnacht kennt, sondern eher ruhig. Die Zuschauer klatschen auch nicht. Die Chläuse kommunizieren mit den Bewohnern der Häuser, die sie besuchen und nicht mit den Umstehenden.
Für ein nächstes Mal könnte ich mir vorstellen, die Reaktionen des Publikums einzufangen.
Die Bilder
Dies sind die digitalen Fotos, die Ergebnisse aus der Nikon warten noch auf die nächste Entwicklungssession in der Küche.

















