Die Lofoten, im Norden von Norwegen gelegen, zählen bei geführten Fotoreisen sicher zu den beliebtesten Reisezielen. Ich war im März dort, und hatte, neben meiner digitalen Ausrüstung, auch eine analoge Kamera dabei.
Die Kamerawahl
Hat man mehrere Kameras zur Auswahl, hat man vor der Reise ein Luxusproblem: welche Kamera kommt mit? Bei der Entscheidung steht die Wahl des Films an erster Stelle. Ich hatte 6 Rollen Diafilm 120 (Fujifilm Provia 100), die ich mitnehmen wollte. Wieso Diafilm? Diafilm hat einen höheren Kontrastumfang als Negativfilm. Die Kombination aus Wasser, Schnee, Sonne und steil aufragenden Bergen schien mir ideal für diesen Film. Also musste es eine Mittelformatkamera sein.
«Klein» und flexibel: Mamiya 6
Mittelformat bedeutet, dass der Film 6 cm breit ist, je nach Kamera resultieren Negative im Format zwischen 6 mal 4,5 cm und 6 mal 17 cm! Klein sind solche Kameras somit nicht wirklich, insbesondere wenn man eine Kamera mit Wechselobjektiv sucht.
Die kompakteste Kamera, die diesen Anforderungen entspricht, ist die Mamiya 6, die von 1989 bis 1999 produziert wurde. Es gibt drei Objektive zur Auswahl: 50mm f/4, 75mm f/3.5 und 150mm f/4.5. Um die Kamera etwas transportabler zu machen, kann im ungenutzten Zustand das Objektiv eingefahren werden.




Die Mamiya 6 macht quadratische Bilder im Format 6 mal 6 cm. Es gibt auch noch eine Mamiya 7, die entsprechend Bilder im Format 6 mal 7 cm belichtet. Die Objektivauswahl ist bei der 7 grösser, aber man benötigt teilweise separate Sucher. Wichtig ist zu wissen, dass die Objektive der Mamiya 6 nicht an einer Mamiya 7 verwendet werden können (und umgekehrt)!
Die Bedienung
Die Mamiya 6 ist eine Messsucherkamera wie die Leica M. Das bedeutet, dass man durch einen separaten Sucher schaut und nicht direkt durch das Objektiv wie bei einer Spiegelreflexkamera. Auch dies trägt zu den kompakten Ausmassen bei. Die Scharfstellung erfolgt manuell am Objektiv und wird unterstützt durch die Einblendung eines zweiten Bildes in der Mitte des Suchers.
Die Kamera besitzt einen elektronischen Belichtungsmesser, der die errechneten Zeiten auf der linken Seite neben dem Sucherbild anzeigt, ebenso wie allfällige Unter- und Überbelichtungen. Natürlich kann man die Verschlusszeit auch manuell einstellen, ebenso wie die Belichtungskorrektur. Insgesamt ist die Mamiya 6 sehr einfach in der Handhabung. Man muss nur wissen, dass beim Objektivwechsel ein Vorhang vor den Film gezogen werden muss, damit dieser nicht belichtet wird. Vergisst man dies, lässt sich das Objektiv nicht entfernen. Sie verhindert auch Mehrfachbelichtungen oder die Betätigung des Auslösers, wenn der Vorhang noch vor dem Film ist. Eine Kamera also, die mitdenkt.
Ich mag das quadratische Format der Mamiya 6, welches man auch in den Rolleiflex und den Hasselblad findet. Es ist ein Format für faule Fotografen, man kann die Kamera immer gleich in den Händen halten, es gibt weder Quer- noch Hochformat.
Ein wichtiger Punkt, der für Mamiya-Kameras spricht, ist: Es existiert in der Schweiz noch ein offizieller Reparaturservice, und zwar bei Graphicart. Meine Erfahrungen sind durchwegs positiv.
Insgesamt hat sich die Mamiya 6 bewährt auf der 10-tägigen Reise. Wie beschrieben wollte ich ein möglichst leichtes und kompaktes Kamerasystem mitnehmen. Die meisten Fotos sind mit dem 75mm-Objektiv entstanden, obwohl ich das 50mm auch dabei hatte.
Nach der Reise liess ich die Filme bei Pro Ciné in Wädenswil professionell entwickeln, Prädikat empfehlenswert! Die Digitalisierung der Fotos habe ich selbst durchgeführt. Im Anschluss wurden die Fotos in Lightroom möglichst farbecht zum Diapositiv bearbeitet.
Die Lofoten im Reportagestil
Ich habe mit der Mamiya 6 nicht gleich fotografiert wie mit der digitalen Kamera. In der digitalen Welt ging es viel um Weitwinkelaufnahmen nahe am Vordergrund oder am Wasser, um den Einsatz von ND-Filtern und Polfiltern, logischerweise mit dem Stativ. Mit der Mamiya wollte ich es bei «Schnappschüssen» bewenden lassen, und mich nicht nur auf die Landschaft konzentrieren. Auch Gebäude und Menschen sollten auf den Fotos abgebildet sein.
Oslo
Auf dem Rückweg in die Schweiz machten wir einen Zwischenhalt in Oslo. Die norwegische Hauptstadt gefiel mir sehr mit ihrer modernen Architektur. Es war Samstag als wir ankamen und die Menschen waren entspannt unterwegs. Die tiefstehende Sonne und die klare Luft führten zu einem sehr «fotogenen Licht».
Die Fotos sind unter Werk > Landschaften > 2025-03 Lofoten und Oslo zu finden
Nachtrag: Wie mir die Vorbesitzer der Mamiya mitteilten, war die Kamera schon einmal auf den Lofoten, nämlich 1999. Zufälle gibt’s!